Mathilda

Sie ist da, meine erste Yacht! Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Yachthafen Wackerballig unter Deck meinen ersten Dauerregen an Bord aus. Ein kleiner Heizlüfter bullert vor sich hin und sorgt für mollige Gemütlichkeit an diesem regnerischen Frühlingsabend an der Ostsee.

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Eine glückliche Fügung des Schicksals wollte es, dass auch mein Onkel Jochen mit dem Kauf eines Kielbootes geliebäugelt hat. Und so fanden wir uns als zukünftige Eignergemeinschaft zusammen, um uns auf die Suche nach einem geeigneten Boot zu machen, was zunächst vor allem eine Frage der Größe und des Budgets war. Habe ich mir vorher noch halbe Wracks angesehen, so eröffnete die Aufdopplung plötzlich ungeahnte Möglichkeiten. Relativ schnell haben wir uns auf die Größenordnung „gerade noch trailerbar“ eingeschossen, was in etwa einer Länge von 7-8 m, vor allem aber einer Breite von nicht mehr als 2,5 m entspricht (mehr braucht auf deutschen Straßen eine Sondergenehmigung). Und so folgte das Wälzen von Anzeigen und im Yacht-Forum fand ich schließlich die Anzeige von Marcus, der seine Mathilda, eine dreißig Jahre alte Granada 24, wegen erneuter Schwangerschaft und akutem Zeitmangel abgeben wollte.

Mathilda brachte viel von dem mit was ich mir vorgestellt hatte. Sie hat einen kleinen Einbaudiesel, verhältnismäßig viel Platz unter Deck und schien alles in allem gut ausgerüstet und in einem guten Zustand zu sein. Wir fackelten also nicht lange und fuhren nach Menden, wo Mathilda auf ihrem Trailer in der Halle stand und seit einem Jahr kein Wasser mehr gesehen hatte. Etwas verschmutzt stand sie da, das Gelcoat nicht mehr ganz frisch, konnte sie aber dennoch überzeugen. Den schönen Ausbau in Mahagoni und die anscheinend gute Substanz konnten auch kleinere Mängel nicht trüben. Zum Beispiel die, dass es unter Deck furchtbar nach Diesel stank, Öl aus dem Saildrive tropfte und sich am Kielansatz eine kleine Roststelle zeigte.

Wieder zuhause, schaute ich mich noch halbherzig nach anderen Schiffen um, um ja keine Gelegenheit zu verpassen. Aber nach Mathilda, der Granada 24, erschien mir alles andere in der Größenordnung öde. Als ich mir dann noch eine weitere Granada 24 angesehen habe, mit Selbstausbau, Außenborder und in deutlich schlechterem Zustand, reifte der Entschluss, dass es Mathilda werden sollte. Wir einigten uns mit Marcus darauf, dass Mathilda vor dem Verkauf noch zum (Motor-)Service kommt und dann, Monate, zähe und emotionale Verhandlungen später, unterschrieben wir den Kaufvertrag bei einem weiteren Besuch in Menden, bei dem wir uns gleich noch um die Roststelle am Kiel und einen neuen Unterwasseranstrich kümmerten.

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Mitte April ging es in Gelting Mole ins Wasser und gleich zeigte sich, was es bedeutet ein Boot zu besitzen. Neulich habe ich hier gelesen:

„There are few things you can count on in this world, my friends, but I can promise you this: on a boat, there is always something advancing along the ‚breaking‘ continuum.  And usually more than one thing.“

In unserem Fall übernahm die Kühlwasserversorgung des frisch gewarteten Motors diese Rolle. Und als Jochen das Pumpklo testen wollte, reihte der Griff sich ein. Und der Windmesser, das klemmende Schott, die Wasser- und Lenzpumpen, und, und, und… Die Kladde, in der ich mir solche Dinge aufschreibe, ist mittlerweile halbvoll. Aber das schöne, neben den ganzen Kosten und der Zeit, die flöten geht, ist – es macht Spaß!

Jetzt ist es Mitte Mai und seit einer guten Woche wohne ich auf Mathilda und wir haben die ersten kleinen Törns mit und ohne Crew hinter uns gebracht. Und ich muss sagen: Ich freue mich riesig auf das, was ich mit Mathilda erleben werde!

Und der Wassertropfen, der mir gerade durchs Deck auf die Nase tropft, bestärkt dieses Gefühl noch…